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Stahl nutzt Gastgeschenke eiskalt

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Samstag, 25.11.2017
14:00 Uhr
Markkleeberg (Aus)
Städtelner Str. 101, 04416 Markkleeberg
M1
Großenhainer FV
19.08.2017
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15:00 Uhr
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Jahnkampfbahn Großenhain
Alle Spiele
BSG Stahl Riesa

Zur Heimpremiere besiegt sich der Großenhainer FV im Derby selbst. Die Riesaer Gäste kennen kein Erbarmen.
Von Thomas Riemer

Als Christine Weigelt und ihre beiden Assistenten den Rasen der Großenhainer Jahnkampfbahn verlassen, könnten die Gefühlswelten kaum unterschiedlicher sein. Akteure, Betreuer und Fans der BSG Stahl Riesa liegen sich jubelnd in den Armen und vollführen wahre „Indianertänze“. Auf der anderen Seite: Müde, enttäuschte Spieler des Großenhainer FV sitzen auf dem Rasen, hadern mit sich und der Welt, verabschieden sich artig von ihren Anhängern. Das 2:3 beim ersten Heimauftritt und ausgerechnet im Nachbarschaftsderby schmerzt.

Dabei haben die Gastgeber bei der Premiere in der Landesliga vor eigenem Publikum in den 90 plus drei Nachspielminuten zuvor vieles richtig gemacht. Nach verhaltenem Start sorgt Kapitän Silvio Schwitzky nach sechs Minuten für ein erstes Zeichen Richtung Stahl-Gehäuse. Die Gäste bleiben die Antwort nicht schuldig: Johannes Runge prüft GFV-Keeper Roßmüller (9.).

Da ahnt noch niemand, dass die 16. Minute zu einer Schlüsselszene der Begegnung wird. Als Max Meißner in den Riesaer Strafraum flankt, nutzt Schwitzky das Durcheinander in der Gäste-Abwehr und vollendet mit Flachschuss zur GFV-Führung. Doch Stahl-Abwehrstratege David Wukasch bleibt am Boden liegen, mit blutverschmiertem Kopf. Seine Kollegen und selbst Trainer- und Co-Trainer stürmen auf den Platz, bedrängen die Schiedsrichterin, wittern ein übersehenes Stürmerfoul. Die 32-jährige Christine Weigelt bleibt hart. Und die Bilder zeigen: Sie hat in dieser Situation auch ohne Videobeweis ein glückliches Händchen. Denn Wukaschs Kopfwunde stammt aus einem Zusammenprall mit einem eigenen Mitspieler.

Das Spiel nimmt Fahrt auf, und die Unparteiische ist nicht ganz unbeteiligt daran. Mit ein, zwei umstrittenen Entscheidungen und Gelben Karten sorgt die Leipzigerin für Unmut auf Rasen und Rängen.

Nach einer halben Stunde Spielzeit haben sich alle Gemüter wieder beruhigt. Auch das Spiel selbst erinnert eher an Rasenschach als rassigen Fußball. Die Schiedsrichterin passt sich dem Niveau ein wenig an. Doch ihre Fehlerquote liegt unter der der Akteure. Als alle gedanklich wohl schon beim Pausentee sind, nimmt Stahl das erste Gastgeschenk gnadenlos an. Nach einer unnötig verursachten Ecke steigt Andre Köhler am höchsten und köpft vor dem herausstürzenden Keeper Roßmüller zum Ausgleich ein (40.). Letztes Aufbäumen des GFV vor der Pause: Moritz Meißner schnappt sich am Mittelkreis den Ball und lässt gleich vier Gegenspieler alt aussehen. Sein Schuss geht knapp vorbei.

Pause auf der Jahnkampfbahn. 749 zahlende Zuschauer haben trotz widriger Anfahrtbedingungen das Stadion gefunden. Auch Christine Weigelt gesteht, dass sie wohl ohne GFV-Hilfe – der Verein organisierte einen Treff mit dem Schiri-Trio kurz vor der Zufahrt – kaum pünktlich dagewesen wäre. Die „Frau in Rot“ ist in den Halbzeitdiskussionen Gesprächsthema. Einigkeit soweit: Spielentscheidend hat sie bislang nicht eingegriffen.

Das bleibt auch in den zweiten 45 Minuten so. Stahl Riesa erwischt dank des wieselflinken Leonhard Schreiber den besseren Start. Dann die beiden Minuten des Matthias Walther. Gerade noch verfehlt er mit einem Kopfball nach einer Ecke das Hesse-Gehäuse nur knapp, leistet er sich eine Uhrumdrehung später einen bösen Schnitzer. „Fußball-Fuchs“ Jerome Wolf zeigt bei Walthers missglücktem Rückpass auf den Torwart seinen Torriecher und vollendet zum 1:2 (52).

Auf den Rängen beginnt ein Kramen in der Statistik. Wann hat der GFV zum letzten Mal ein Punktspiel verloren? Es war am 29. Mai 2016: 2:3 beim SV Wesenitztal.

Nach dem Rückstand zeigen die Röderstädter, warum sie danach von der Konkurrenz so gefürchtet waren. Chance auf Chance erspielen sich die Schützlinge von Trainer Andreas Jachmann. Unglücksrabe Walther versucht sich nach einer Ecke (57.), einen Kopfball von Eric Bachmann pariert Stahl-Torwart Hesse (59.). Neuzugang Clemens Krüger hat einen „Riesen“ auf dem Stiefel, wieder hat Hesse Glück innerhalb weniger Sekunden. In der 67. Minute dann Krüger im Pech. Sein Flachschuss nach toller Kombination landet am Pfosten. Gleiche Minute: Schwitzky kann sich für seinen Kopfball die Ecke aussuchen – und wählt die fangbereiten Arme des Riesaer Keepers. Coach Jachmann zieht den Joker, wechselt den lange verletzten Torjäger Paul Konrad Witschel ein. Der bleibt zwar weitgehend wirkungslos. Doch es gibt ja einen Matthias Walther. Um Wiedergutmachung ringend, erobert er im Mittelfeld das Leder und leitet den Ausgleich ein. Schütze Eric Bachmann verschwindet kurzzeitig in der schwarz-gelben Spielertraube (75.).

Stahl Riesa zeigt sich nur kurz geschockt. In der 82. Minute verhindert ein GFV-Bein auf der Linie die erneute Führung. Dann sind die Gastgeber erneut in „Geberlaune“. Diesmal ist Tom Reichl der Pechvogel, als er über den Ball stolpert. Stahl-Neuzugang Paul Kiontke bedankt sich, bekommt nach Zusammenspiel mit Runge den Ball zurück und netzt eiskalt zum 2:3 ein (86.). Das letzte Aufbäumen des GFV bleibt schließlich erfolglos. Die Serie ist gerissen.

Andreas Jachmann spricht nach ersten Trostversuchen bei seinen Akteuren von einer „bitteren, weil unnötigen Niederlage“. „Wir haben in der zweiten Halbzeit viele Chancen erarbeitet und nach dem 1:2 große Moral gezeigt“, lobt er seine Truppe. „Letztlich haben drei glasklare individuelle Schnitzer für die Riesaer Tore gesorgt“, so Jachmann. „Es ist natürlich schade, vor so einer Kulisse zu verlieren. Aber ich kann eigentlich nicht unzufrieden sein.“

Trainerkollege Daniel Küttner bescheinigt den unterlegenen Gastgebern, „keine schlechte Mannschaft“ zu sein. Doch für ihn zählt: „Wir haben wieder drei Tore gemacht und deshalb nicht unverdient gewonnen.“ Stahl Riesa habe eine „überragende Leistung“ gezeigt, sich auch nach dem 0:1 nicht beeindruckt präsentiert. „Wir haben Potenzial und stehen erst am Anfang“, lobt Küttner seine Jungs.

Zur Leistung der Schiedsrichterin will er nichts sagen. Auch Claudia Weigelt selbst nicht. „Keine Fragen zum Spiel“, das ist so Usus. „So ein Derby ist immer was Besonderes“, sagt sie. Trotzdem sei sie nicht aufgeregter als vor anderen Spielen gewesen. Zuletzt ein Lob der Leipzigerin: „Es war ’ne geile Stimmung hier.“

 

Quelle: SZ-Online, 21.8.2017: http://www.sz-online.de/nachrichten/stahl-nutzt-gastgeschenke-eiskalt-3754276.html

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