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Vom Stürmer zum Torwart

Mirko Roßmüller schoss Tore für Zeithain, Riesa und Großenhain. Jetzt steht er beim GFV zwischen den Pfosten und spielt bald in der Landesliga.

Alexander Gleis, Geschäftsführer des Großenhainer FV 1990, bringt es auf den Punkt: „Eigentlich gehört Mirko bei uns schon auf die Inventarliste, denn gefühlt ist er schon eine Ewigkeit hier.“ Gemeint ist Mirko Roßmüller, 31 Jahre jung, ledig und Stammkeeper beim zukünftigen Fußball-Landesligisten. Am spielfreien Pfingst-Wochenende fand der gebürtige Riesaer ausreichend Zeit für ein ausführliches SZ-Gespräch.

 

Herr Roßmüller, Glückwunsch zum Aufstieg in die Sachsenliga. Wie sehr traf die Mannschaft der Verzicht im letzten Jahr?

Vielen Dank für die Glückwünsche. Der Aufstiegsverzicht im Vorjahr hat uns Spieler überhaupt nicht getroffen, weil wir die Entscheidung der Vereinsführung nachvollziehen konnten. Wir waren Vierter der Endabrechnung. Die Ansage war aber auch, dass wir als Meister 2017 aufsteigen würden. Dieses Ziel haben wir von Beginn an konsequent verfolgt.

Wo haben Sie Ihre ersten Übungseinheiten auf dem Fußballplatz erlebt?

Das war beim Zeithainer SV. Dann bin ich noch im Nachwuchsbereich zum FC Stahl Riesa 98 gewechselt und nach der Auflösung des Vereins wieder zurück nach Zeithain. Seit neun Jahren bin ich beim Großenhainer FV.

Wer hatte Sie in der Winterpause 2007/08 zum GFV geholt?

Unser [Anmerkung GFV: jetziger] Präsident Andreas Vogel. Ich kam damals übrigens als Stürmer. Das änderte sich erst, nachdem wir in die Bezirksliga aufgestiegen waren.

Ein Spätstarter zwischen den Pfosten?

Eigentlich nicht, denn ich habe damals zwar im Angriff gespielt, war aber auch der zweite Torhüter in unserem Kader.

Was war der Grund, sich dann für die Nummer eins zu bewerben?

Ich bekam frühzeitig Probleme mit dem Knie, hatte einen Meniskus- und Knorpelschaden. Daher wollte ich ins Tor. Der Trainer hat mir die Chance gegeben und ich habe mich in der Vorbereitung als Nummer eins durchgesetzt.

Das Torhüterspiel hat sich in den vergangenen Jahren völlig verändert. War es ein Vorteil, dass Sie zuvor als Feldspieler ausgebildet wurden?

Ja, das kommt meinem Torhüterspiel ganz sicher zugute. Wir haben damals in Großenhain auch auf Viererkette umgestellt und ich sollte dann 20 Meter hinter der Abwehr agieren. So waren die Vorgaben des Trainers. Fußballerisch war das für mich kein Problem, dieses System so zu spielen.

Als gelernter Stürmer könnten Sie auch mal zu einem Elfmeter antreten?!

Ja, das würde ich gern mal machen. Das entscheidet aber unser Trainer. Vielleicht darf ich in dieser Saison noch mal zum Punkt.

Der GFV hat eine sehr souveräne Saison gespielt, wobei nur Matthias Walther und Tim Reichl sowie in der Winterpause Torsten Marx hinzukamen. Wie ist der große Leistungssprung zu erklären?

Es sind einige Spieler aus unserem Nachwuchsbereich aufgerückt, die das erste Männerjahr brauchten, um sich einzugewöhnen. Und natürlich haben sie sich weiterentwickelt und das sieht man jetzt in unserem Spiel. Sie sind Anfang 20 und agieren teilweise schon richtig abgeklärt.

Wo würden Sie persönlich gern noch etwas zulegen?

Ich bin 1,77 Meter groß, aber wachsen werde ich sicher nicht mehr. Vielleicht habe ich durch die Körpergröße ein paar Nachteile bei Flanken, aber ich gleiche die fehlenden Zentimeter durch eine gute Sprungkraft aus. Einmal pro Woche absolviere ich bei Holm Kowalski ein spezielles Torhüter-Training.

Haben Sie ein Vorbild?

Ich schaue natürlich genauer hin, wie zum Beispiel ein Manuel Neuer das Torhüterspiel interpretiert. Das finde ich schon beeindruckend. Und es gibt immer Dinge, die man sich bei anderen Sportlern abschauen kann, ohne dass man ein direktes Vorbild hat.

Hätten Sie es vor vier, fünf Jahren für möglich gehalten, einmal mit dem Großenhainer FV in der Landesliga zu spielen?

Nein, zu dieser Zeit eher nicht. Aber in den letzten zwei Jahren habe ich mich schon darauf fokussiert, dass wir dieses Ziel als Mannschaft erreichen.

Die Frage, auf welche Duelle Sie sich am meisten freuen, brauche ich wohl nicht zu stellen.

Eigentlich nicht. Ganz sicher werden die beiden Spiele gegen die BSG Stahl Riesa etwas ganz Besonderes. Ich bin in Riesa geboren und habe für diesen Verein in der Jugend gespielt. Aber ich freue mich generell auf diese Liga, auf neue Stadien und interessante Gegner.

Haben Sie ein wenig Bammel davor, dass die 6. Liga eine Nummer zu groß sein könnte?

Wir wissen, dass es schwierig wird, aber Bedenken habe ich nicht. Unser Training ist so ausgerichtet, dass wir im Fitnessbereich keine Probleme bekommen werden. Unser Trainer Andreas Jachmann legt schon immer sehr großen Wert auf diesen Bereich. Und der Verein hat darauf geachtet, dass der Kader breiter aufgestellt ist. Früher hatten wir bei Verletzungen einen Substanzverlust. Jetzt haben wir beispielsweise drei, vier starke Stürmer und können Ausfälle besser kompensieren.

Wissen Sie schon, wie Sie Ihren Sommerurlaub gestalten werden?

Nein, aber wir haben unsere Abschlussfahrt nach Mallorca schon fest gebucht. Am 18. Juni fliegt die Mannschaft ab. Und es ist unser festes Bestreben, zuvor als ungeschlagener Meister der Landesklasse Mitte in der Sommerpause zu gehen.

 

Gespräch: Jürgen Schwarz

07.06.2017 10:41 Uhr
Quellen
SZ-Online 6.6.17, http://www.sz-online.de/nachrichten/vom-stuermer-zum-torwart-3697311.html