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Ich wurde hier super aufgenommen

Vor einem Jahr kam Sylvio Schwitzky zum Großenhainer FV. Jetzt ist er Kapitän und mit seiner Mannschaft Spitzenreiter.

 

Großenhain. Der Großenhainer FV 1990 ist als einzige Mannschaft der Fußball-Landesklasse Mitte noch ungeschlagen. Nach sechs Siegen und einem Unentschieden führen die Schützlinge von Trainer Andreas Jachmann die Tabelle vor den punktgleichen Teams des FV Gröditz 1911 und des SV Bannewitz (jeweils 15 Zähler) an. Über die Gründe des sportlichen Höhenflugs und die Ziele des GFV in dieser Saison äußert sich der 29 Jahre alte Kapitän Sylvio Schwitzky im Interview.

 

Herr Schwitzky, Großenhain hat seine Spitzenposition mit dem 5:0 gegen Heidenau eindrucksvoll untermauert. Eine Momentaufnahme oder der Platz, den Sie und Ihre Mitspieler ohnehin im Visier haben?

Wir haben uns als Mannschaft vorgenommen, bis zur Winterpause kein Spiel zu verlieren, sind also auf einem guten Weg. In den ersten Spielen hatten wir ein paar Probleme, sind aber ohne Niederlage geblieben. Zuletzt konnten wir immer mit einem gewissen Stammpersonal spielen, mussten nicht ständig auf den Positionen wechseln. Über das Thema Aufstieg redet bei uns derzeit aber keiner. Wir wollen erst einmal Woche für Woche unsere Leistung bringen, von Spiel zu Spiel denken. Danach sehen wir weiter.

Sie haben die Nachfolge von Sebastian Miltzow als Spielführer angetreten. Wurden Sie vom Trainer bestimmt?

In den letzten Jahren war Sebastian der Kapitän und wurde vom Trainer im Amt bestätigt. Diesmal wurde gewählt, wobei neben den Spielern auch die Trainer und Betreuer ihren Stimmzettel abgeben haben. Neben einem Wunschkandidaten für das Kapitänsamt, sollte jeder drei weitere Spielernamen für den Mannschaftsrat aufschreiben.

Auf Sie fielen die meisten Stimmen?

Ja. Zum Mannschaftsrat gehören außerdem noch Moritz Meißner, der sozusagen der Kapitänsvertreter ist, sowie Henning Lotzmann und Ronny Rimkus.

Sie kamen im Sommer 2015 aus Bautzen. Wie schätzen Sie die Zeit ein?

Ich bereue diesen Schritt in keiner Weise, im Gegenteil, ich bin sehr positiv gestimmt und optimistisch. Es war ein sehr schönes Jahr in Großenhain, ich wurde hier super aufgenommen. Das Umfeld stimmt, ich habe einen guten Draht zu allen, egal ob Betreuer, Mitglieder oder Fans. Ich habe mich sehr gut eingelebt und es macht mir großen Spaß hier Fußball zu spielen. Natürlich war es eine Umstellung, denn jetzt muss ich mir mein Zeitpotenzial ganz genau einteilen, um Lehre, Fußball, Familie und Freizeit gut unter einen Hut zu bekommen.

Wie läuft es beruflich, was machen Sie?

Mein Ziel ist es, als Erzieher zu arbeiten. Grundvoraussetzung für diese dreijährige Ausbildung ist der Abschluss zum Sozialassistenten. Diese Ausbildung habe ich im Berufsschulzentrum in Döbeln begonnen und werde die 2018 abschließen.

Zurück zum Fußball. Mit Tim Reichl und Matthias Walther kamen im Sommer zwei spielstarke Neuzugänge. Wie wichtig sind die beiden Jungs?

Tim kannte ich schon aus meiner Bautzener Zeit. Er kam damals als junger Spieler von Borea zu uns, wir haben in der Spreestadt ein Jahr zusammengespielt. Er ist technisch sehr gut ausgebildet. Ich habe mich gefreut, dass es mit der Verpflichtung hier beim GFV geklappt hat, denn es ist wichtig, auch Spieler in den eigenen Reihen zu haben, die ein Spiel gut lesen können. Matthias kannte ich nicht, aber was er als Innenverteidiger abliefert ist schon beeindrucken. Seine Kopfballstärke ist phänomenal und gegen Heidenau hat er sich ja auch noch als doppelter Torschütze ausgezeichnet. Ich denke, da haben wir personell zwei richtige Volltreffer gelandet.

Schauen Sie noch nach den Ergebnissen Ihres Ex-Vereins Budissa Bautzen, für den es in der Regionalliga aktuell nicht gut läuft?

Generell interessieren mich alle Ergebnisse ab der 1. Liga bis zur Landesklasse. Ich war schon längere Zeit nicht mehr in Bautzen, pflege aber regelmäßigen Kontakt zu Trainer Reimund Linkert. Es ist für ihn eine schwierige Aufgabe, zumal es sein erstes Jahr als Chefcoach ist. Er setzt auf viele junge Spieler und das braucht Zeit. Die Saison ist noch lang. Reimund ist ein Riesentyp, fachlich wie menschlich. Ich hoffe, er bekommt mit seinen Jungs bald die Kurve. Ich drücke ihm die Daumen.

Nach der Vorsaison erklärten viele Landesklasse-Vereine ihren Aufstiegsverzicht. Was passiert, sollte Großenhain in der Endabrechnung auf Platz eins stehen?

Generell bedauere ich es, dass aus unserer Staffel kein Verein aufsteigen wollte. Wir Fußballer spielen, um zu gewinnen, sonst bräuchten wir dem runden Leder gar nicht mehr nachzujagen. Den Rest entscheiden die zuständigen Leute. Natürlich muss man immer berücksichtigen, ob der jeweilige Kader für eine Landesliga-Saison qualitativ ausreicht. Keiner will doch in der sechsten Liga als Kanonenfutter herhalten und am Ende den Spaß am Fußball verlieren.

Wie sieht es denn mit den fußballerischen Fähigkeiten von Sohenmann Lio aus?

Lio feiert im Dezember seinen dritten Geburtstag. Klar freut er sich, wenn er einen Ball sieht. Aber der Kleine ist noch in der Phase, wo er alles ausprobieren will. Lio ist mit der Mama auch oft bei unseren Spielen dabei. Da spielt er dann auch schon mal mit anderen Jungs Fußball, sitzt aber nach zehn Minuten schon wieder auf seinem Fahrrad. Wir werden ihn zu nichts drängen, aber sportlich betätigen soll und wird er sich auf alle Fälle.

 

Gespräch: Jürgen Schwarz

Quelle: SZ-Online, 18.10.2016, http://www.sz-online.de/nachrichten/ich-wurde-hier-super-aufgenommen-3518779.html

18.10.2016 16:05 Uhr
Quellen
SZ-Online, 18.10.2016, http://www.sz-online.de/nachrichten/ich-wurde-hier-super-aufgenommen-3518779.html