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Kumpels von Kindesbeinen an
Als Knirpse spielte die heutige Dritte des GFV schon Fußball. Dann trennten sich die Wege. Als Männer sind sie wieder vereint.

Von Jörg Richter


Großenhain. Die ehemalige dritte Mannschaft des Großenhainer FV genoss früher einen sehr zweifelhaften Ruf in der Stadt. Sie wurde wegen ihrer nachgesagten Vorliebe zu Schnaps und Bier auch „Goldbrand-Elf“ genannt. Und sie kokettierte selbst damit, wie Uli Eckert weiß. „Das war eine Spaßtruppe, der es nicht unbedingt aufs Gewinnen ankam“, sagt der 51-Jährige.

Eckert gehörte bis 1999 selbst zur dritten Auswahl der Großenhainer Fußballer, war lange Zeit ihr Torwart. Als sie vor drei Jahren vor dem Aus stand, übernahm er sie als Trainer. Doch die Mannschaft, die er seitdem betreut, ist aus ganz anderem Holz geschnitzt. Sie will Erfolg haben und hat ihn auch. In der abgelaufenen Saison hat sie Vereinsgeschichte geschrieben. Denn das erste Mal in 39 Jahren ist eine „Goldbrand-Elf“ aufgestiegen.

Doch das Erfolgsgeheimnis ist nicht wie früher der braune Fusel, sondern das Team. Die Leute, die heute in der Dritten des GFV Fußball spielen, kennen sich gut, haben früher schon in der Jugend zusammen gekickt. „Wir sind alle über 30“, sagt Kapitän Robert Kracht. „Nur Max ist unser Ausreißer nach unten.“ Max Fröhlich ist mit Anfang 20 der Jüngste in der Mannschaft.

Exemplarisch für die Truppe

Sie setzt sich größtenteils aus Spielern der Jahrgänge 1982/83 zusammen. Zu ihnen gehört auch der 32-jährige Martin Hanisch. Seine sportliche Laufbahn ist exemplarisch für die Truppe: Nach der Zeit bei den Junioren, die immerhin Bezirksliga spielte, reichte es trotzdem nicht für die erste Mannschaft. „Sie war stark besetzt“, erinnert sich Hanisch und erzählt weiter: „Manche aus unserer Mannschaft haben mit dem Fußball aufgehört, manche sind aufs Dorf gegangen.“ Sie spielten in Priestewitz, Kalkreuth, Zabeltitz oder Wildenhain. Auch Hanisch selbst.

Bis vor einem Jahr kickte er für Traktor Priestewitz in der Kreisoberliga. Immerhin vier Ligen höher als Großenhains Dritte. Trotzdem entschied er sich, seine Fußballerkarriere bei seinem Heimatverein GFV auslaufen zu lassen. „Ich bereue es fast, nicht schon eher zurückgekommen zu sein“, sagt der Torschützenkönig der letzten Saison. Denn längst hatte es sich rumgesprochen, dass sich die Jungen von einst in dieser Mannschaft wieder vereint haben und aus der ehemaligen „Goldbrand-Elf“ eine verschworene Truppe geworden ist.

„Sie ist wie eine große Familie“, sagt Trainer Eckert begeistert. „Uns begleiten zu jedem Spiel mindestens sieben bis acht Frauen.“ Und auch die Kinder der Spieler dürfen da nicht fehlen. Der neunjährige Ben, Sohn des mit 40 Jahren ältesten Spielers Thomas Kramer, sei schon so etwas wie das Maskottchen der Dritten, sagt Eckhart lächelnd.

„Mittlerweile wollen viele bei uns mitspielen“, sagt Robert Kracht. Er und seine Kumpels Tobias Horn und Felix Markert hatten vor zehn Jahren bei einem geselligen Skatabend beschlossen, wieder mit dem Fußball anzufangen. „Damals kannte ich nur wenige aus der Goldbrand-Elf“, erinnert er sich. „Da waren kaum Jugendliche drin.“ Doch mit den drei 20-Jährigen begann der allmähliche Wandel der einst verrufenen Truppe. Erst recht nach dem Neuanfang vor drei Jahren.

Bisheriger Höhepunkt ist der jetzige Aufstieg in die 1. Kreisklasse. Den – und das hat schon wieder etwas Komisches an sich – hätten sie auch ohne überragende Serie hingekriegt. Denn in der kommenden Saison soll die 2. Kreisklasse, aus der sie kommen, abgeschafft werden. Dann spielen sie wieder in der untersten Liga.

Die Dritte des Großenhainer FV: Christian Reitmann, Christian Uschner, Robert Kotte, Matthias Schanze, Alexander Grauer, Cornelius Preuß, Stefan George, Stephan Kreische, Martin Hanisch, Thomas Kramer, Robert Kracht, Felix Markert, Tobias Horn, Max Fröhlich, Florian Wendisch, Thomas Beyer, Tino Zimmerling, Thomas Reiche, Robin Datzmann, Trainer Uli Eckert.
23.06.2016 08:31 Uhr
Quellen
SZ-Online, 23.06.2016: http://www.sz-online.de/nachrichten/kumpels-von-kindesbeinen-an-3426657.html