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„Hertha BSC ist ein echter Leckerbissen“
Der neue Kader von Dynamo wird im Juli erstmals in Großenhain spielen. Präsident Andreas Ritter ist sich sicher, dass Trainer Neuhaus ganze Arbeit leistet.

Von Catharina Karlshaus


Großenhain. Die Vorbereitungen auf der Jahnkampfbahn laufen bereits auf Hochtouren: Am 13. Juli empfängt der Großenhainer Fußballverein 1990 e.V. (GFV) die Kicker von Dynamo Dresden. Die frisch aufgestiegenen Zweitligisten werden gegen die Jungs von Hertha BSC U 23 spielen. „Es sind noch ein paar Absprachen notwendig, aber ansonsten sind wir gut vorbereitet“, sagt GFV-Geschäftsführer Alexander Gleis. Reichlich die Hälfte der gut 3 000 Eintrittskarten seien bereits verkauft. In Absprache mit Dynamo Dresden zunächst vorzugsweise an die Fans in der Region Großenhain. In ein paar Tagen, so Gleis, schalte man dann einen Online-Ticket-Verkauf, um auch anderen Freunden von Schwarz-Gelb die Möglichkeit einzuräumen, das immerhin erste Spiel des neuen Kaders zu sehen. Diesen im Blick hat momentan auch Dynamo-Präsident Andreas Ritter. Die SZ war mit dem 54-Jährigen im Gespräch.

Herr Ritter, Hand aufs Herz: Wie viele Stunden Fußball schauen Sie zurzeit?

Naja, sagen wir es so: Ich versuche im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit und eingedenk aller anderen Verpflichtungen, die Spiele um 18 und 21 Uhr zu sehen. Immer gelingt mir das freilich nicht. Aber ich gebe mir Mühe, denn es könnte noch interessant werden. Die Ausgewogenheit der Mannschaften ist dieses Mal geradezu bewundernswert für mich. Einen richtigen Favoriten konnte ich offengestanden noch nicht entdecken.

Wie betrachten Sie die Chancen unserer Mannschaft bei dieser Fußball-Europameisterschaft?

Deutschland ist eine Turniermannschaft. Früher haben wir öfter mal gestöhnt, weil die Jungs nicht in die Spiele gefunden haben. Am Ende haben sie jedoch ihren Rhythmus gefunden und sind am Ende sogar Weltmeister geworden. Sie haben auf jeden Fall das Potenzial, auf hohem Niveau mitzuspielen. Aufgrund der Ausgewogenheit der anderen Mannschaftsleistungen ist es jedoch schwer, eine Prognose abzugeben. Es gibt erstaunlicherweise in dieser Meisterschaft auch weniger Tore und wirkliche Überraschungen sind bisher ausgeblieben. Aber ich hoffe natürlich, dass wir weit kommen!

Wie groß war denn die Überraschung, als das Los am Wochenende entschied, dass Dynamo Dresden im DFB-Pokal gegen RB Leipzig antreten muss?

Das war eine wirkliche Überraschung, keine Frage! Das ist ein Los, das es in vielerlei Hinsicht in sich hat. Uwe Neuhaus wird unsere Mannschaft natürlich entsprechend auf die Begegnung vorbereiten und wir werden versuchen, uns mit sportlichen Mitteln in diesem Pokalspiel durchzusetzen. Die Rivalität muss auch in dieser Partie ausschließlich auf dem Rasen ausgetragen werden. Wir möchten auf keinen Fall, dass wir aufgrund irgendwelcher nichtsportlicher Aktionen wieder aus dem DFB-Pokal ausgeschlossen werden. Das müssen wir unbedingt alle gemeinsam verhindern. Nicht zuletzt wegen unseres Images, das sollte nun endlich auch unseren Anhängern klar sein.

Ärgert es Sie, wenn Dynamo wie jetzt selbst wieder bei der Europameisterschaft vor dem Spiel gegen die Ukraine in Lille in die Schlagzeilen gerät?

Ich kann Ihnen versichern, das ärgert mich maßlos! Dass wir immer mit solchen Chaoten in Verbindung gebracht werden, schadet dem Verein. Ob es in Lille wirklich Fans der SG Dynamo Dresden waren, die da durch die Medien mit Reichskriegsflagge gezerrt wurden, kann ich nicht bestätigen. Wir werden natürlich prüfen, ob es Mitglieder der SG Dynamo sind und wenn es so sein sollte, wird es für diese drastische Konsequenzen geben. Aber mich ärgert das schon deshalb so, weil wir in den vergangenen Jahren viel für die Fanbetreuung getan haben und auch weiterhin tun werden.

Werden die Fans von Dynamo Dresden zu unrecht kritisiert?

Wenn ein sogenannter Fan randaliert, gewalttätig auftritt oder menschenfeindliche Parolen skandiert, hat das absolut nichts mit Sport und den Auffassungen unserer Mannschaft zu tun! Daran gibt es nichts zu rütteln, und wenn Leute so auftreten, ist die Kritik auch aus unserer Sicht absolut berechtigt. Mich stört allerdings, dass die überregionalen Medien teilweise ein verzerrtes Bild in der Öffentlichkeit präsentieren. Zuweilen sieht es so aus, als ob es nur in Ostdeutschland, nur bei Dynamo Dresden derartige Fanausschreitungen gibt. Das stimmt einfach nicht! Denn natürlich geschieht das auch in den westlichen Bundesländern. Es ist dringend notwendig, dieses Thema zugunsten des Fußballs, der hart trainierenden und fair kämpfenden Vereine zu versachlichen.

Am 13. Juli erhalten die Fans in Großenhain die Möglichkeit, ihre Mannschaft hautnah zu erleben. Auch eine Referenz an all jene, die zum Aufstieg beigetragen haben?

Genau so ist es! Wir haben ja bereits in Meißen gespielt und werden auch noch in Görlitz sein. Die Verbundenheit zur gesamten Region ist groß. Und wir möchten uns bei den Fans auch mit solchen Spielen, mit unserer Präsenz vor Ort, dafür bedanken, dass sie die Mannschaft in die zweite Liga getragen haben. Die Großenhainer dürfen sich insofern freuen, weil die Nachwuchsmannschaft von Hertha ein echter Leckerbissen ist. Die Jungs sind immer eine Superadresse und sportlich erste Wahl.

Dynamo Dresden wird in Großenhain erstmals mit seinen neuen Spielern auftreten. Sieben Namen sind schon bekannt – ist damit der Einkauf beendet?

Nein, das ist er nicht. Nachdem es uns gelungen ist, Hendrik Starostzik, Erich Berko, Manuel Konrad, Marc Wachs und Marcel Hilßner zu verpflichten, wurden am Montag die Verträge mit Florian Ballas und Marvin Schwäbe unterschrieben. Die Gespräche laufen aber weiter. Trainer Uwe Neuhaus und unser Sportdirektor Ralf Minge haben uns wissen lassen, dass es gut ausschaut. Ich bin ja selbst bei den Verhandlungen nicht mit dabei und werde dann im Aufsichtsrat darüber informiert. Aber ich weiß, dass Dynamo Dresden eine attraktive Adresse für junge Spieler ist. Wir können im Regelfall zwar keine Ablösesummen zahlen, aber durch die fußballbegeisterte Stadt, das moderne DDV-Stadion und die begeisterungsfähigen Fans ist der Dresdner Fußballverein durchaus sehr gefragt.

Nach der Freude über den Aufstieg kommt die Arbeit. Herr Ritter, wird der Erhalt der Zweiten Liga zu packen sein?

Die feste Etablierung sollte und muss unser Anspruch sein. Natürlich ist es aber eine große Herausforderung, denn die Mannschaft muss sich erst neu zusammenfinden. Dass sie das tut, da bin ich mir aber sicher. Das Trainerteam um Uwe Neuhaus hat da auch in der Vergangenheit ganze Arbeit geleistet. Wie sie sich auszahlt, werden wir ja in Großenhain erleben dürfen.

Die Karten für das Spiel am 13. Juli, 17 Uhr in Großenhain gibt es bei MP-Mike Preibisch (Frauenmarkt), Sport Schmidt Großenhain (Hauptmarkt) und über die GFV-Geschäftsstelle bzw. bald online.
22.06.2016 08:47 Uhr
Quellen
SZ-Online, 22.06.2016: http://www.sz-online.de/nachrichten/hertha-bsc-ist-ein-echter-leckerbissen-3425938.html