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ANFAHRT
Bankrotterklärung der Liga
Die fünf Erstplatzierten der Landesklasse Mitte erklären ihren Aufstiegsverzicht – auch der Großenhainer FV 1990.

Von Jürgen Schwarz


Was haben Spitzenreiter BSV 68 Sebnitz und seine vier Verfolger in der Fußball-Landesklasse Mitte gemeinsam? Sie wollen allesamt nicht aufsteigen und haben dies auch gegenüber dem Sächsischen Fußball-Verband (SFV) so erklärt. Der SFV hatte bis zum 30. April eine Deadline gesetzt. Spätestens jetzt sollte sich der Verband ernsthafte Gedanken machen, ob die Einführung der vier Landesklassen wirklich eine gute Idee für die Zukunft des Amateurfußballs in Sachsen war. Zur Erinnerung: Im Vorjahr hatten alle aufstiegsberechtigten Teams der Landesklasse Ost auf den Gang in die sehr spielstarke Landesliga verzichtet. Nicht nur sportlich ist das eine Bankrotterklärung.

Beim SFV tut man sich mit der Bekanntgabe der Verzichtserklärungen erwartungsgemäß wieder schwer. Zeit gewinnen heißt das Zauberwort. Auf eine entsprechende Anfrage der SZ teilte Ulrike Brade, Mitarbeiterin im Bereich Öffentlichkeitsarbeit beim Fußball-Verband, mit: „Einige Vereine haben eine Verlängerung der Frist beantragt. Wir geben das aber schnellstmöglich bekannt, damit alle Beteiligten Klarheit haben. Es wird in den nächsten Tagen eine gesammelte Veröffentlichung aller Ligen geben.“

Schwer taten sich auf alle Fälle die Verantwortlichen beim Großenhainer FV 1990. Dort qualmten die Köpfe am Samstagabend nach dem 2:2-Heimspiel gegen den SV Bannewitz bis tief in die Nacht. Kein Wunder, schließlich war beim GFV in den vergangenen Wochen immer wieder vom „mittelfristigen Ziel, in die Landesliga aufzusteigen“, gesprochen worden. Und die sportliche Entwicklung innerhalb der Mannschaft untermauerte den Eindruck, denn die Großenhainer sind mit 16 Punkten das beste Rückrundenteam der Landesklasse Mitte. In der Nacht zum Sonntag gab Alexander Gleis aber den Verzicht bekannt. Natürlich hätte man sich beim GFV auch noch etwas Zeit lassen können, allerdings wäre ein späterer Verzicht teuer geworden, denn dann würde sich das SFV-Sportgericht einschalten und eine Strafe verhängen.

Die Begründungen der Vereine, nicht in die Sachsenliga aufsteigen zu wollen, lesen sich zwar unterschiedlich, aber auf den Punkt gebracht geht es immer um die nicht zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel „Uns fehlt aktuell die sportliche Berechtigung, in der kommenden Saison in der Landesliga zu spielen“, umschreibt Freitals Präsident Lutz Niebel die Situation und kündigt an, die Landesliga durchaus in den kommenden Jahren ansteuern zu wollen. Deutlicher wird schon der Sebnitzer Coach Uwe Rahle: „Wir müssten den Etat verdoppeln, um in der Sachsenliga mit einer konkurrenzfähigen Mannschaft anzutreten. Dazu sind wir aber nicht in der Lage.“ Ähnlich dürfte sich derzeit die Argumentation in Großenhain anhören.

Nur ein Remis gegen Bannewitz

Bleibt nun aber die Frage nach dem sportlichen Wert dieser Liga, zumal der Nichtaufstieg auch Auswirkungen auf den Abstieg in der Landesklasse Mitte hat (drei oder vier Vereine). Wozu Fußball spielen, wenn der Meister oder die Medaillengewinner gar keine Ambitionen haben, die nächsthöchste Leistungsklasse zu erreichen?! Ein Blick auf die Zuschauerzahlen lässt erahnen, was die Fans davon halten. In Meißen kommen 68 Zahlende zum Gastspiel des Spitzenreiters aus Sebnitz. In Freital wollten nur noch 80 Zuschauer das Duell gegen Possendorf sehen. In Großenhain waren es immerhin noch 102 zahlende Besucher, die die Tore von Sylvio Schwitzky (32.) und Henning Lotzmann (38./Strafstoß) sahen. Für den angestrebten Heimsieg reichte es aber nicht, weil der Bannewitzer Markus Stephan auf der Gegenseite zweimal ins Schwarze traf (27., 51.). Der Rückstand auf Platz drei, den die Freitaler innehaben, wuchs damit wieder auf drei Zähler an. Aufsteigen kann nur, wer in der Endabrechnung einen der drei ersten Plätze belegt. Aber das ist, wie wir seit diesem Wochenende wissen, inzwischen uninteressant geworden...

Großenhain: Roßmüller – Steinbock, Lotzmann, Mo. Meißner (72. Anders), Rimkus, Max Meißner, Hänsel, Volkmann, Partuschek, Brunzel, Schwitzky.
03.05.2016 17:43 Uhr
Quellen
SZ-Online, 02.05.2016: http://www.sz-online.de/nachrichten/bankrotterklaerung-der-liga-3386009.html