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„Ich wollte nicht nach Neustrelitz oder Halberstadt“
Sylvio Schwitzky kickt seit dieser Saison in Großenhain – drei Ligen tiefer als vorher. Bereut hat er den Wechsel nicht.

Von Jürgen Schwarz


Großenhain. Es war ein Paukenschlag, als vor dieser Saison der Großenhainer FV 1990 Sylvio Schwitzky als Neuzugang vorstellte. Schließlich hatte der 28-Jährige gerade erst seine erste Regionalliga-Saison hinter sich gebracht und immerhin 21 Punktspiele für Budissa Bautzen in der 4. Liga bestritten. Kurz vor seinem Urlaub mit Freundin Mandy und Söhnchen Lio (2) fand der 1,74 m große Mittelfeldspieler Zeit für ein ausführliches Interview.

Herr Schwitzky, wie und wo haben Sie denn den Jahreswechsel verbracht?

Ich war mit meinen Eltern in Dresden Essen und in der Frauenkirche. Silvester habe ich dann mit Mandy und einigen Freunden gefeiert. Und der Kleine hat geschlafen.

Gibt es während der Winterpause die Möglichkeit für einen Familienurlaub?

Ja, wir sind mit insgesamt acht Leuten in die Dolomiten gefahren. Unser Hotel liegt auf 2 300 Meter Höhe, do kommt man mit dem Pkw gar nicht hin. Aber dort ist das Skifahren wenigstens gesichert und alles liegt vor der Haustür. Wir machen das schon seit ein paar Jahren, es ist eine schöne Familientradition geworden.

Können Sie noch einmal kurz schildern, wieso Sie aus der Regionalliga in die Landesklasse gewechselt sind?

Ich stand fünf Jahre bei Budissa unter Vertrag, konnte in der vierten Liga vom Fußball spielen leben. Es war ein gut dotierter Vertrag, zudem hatte ich einen Dienstwagen. Dann standen die Verhandlungen für eine Vertragsverlängerung an. Ich war bereit, Abstriche zu machen, aber es zog sich über Wochen hin. Im Urlaub bekam ich dann eine SMS, dass mein Vertrag nicht verlängert wird.

Aber es gab doch sicher Angebote aus der Ober- und Landesliga, oder?

Ja, die gab es. Sicher hätte ich noch zwei, drei Jahre als Profi in der Regionalliga weitermachen können. Aber ich wollte nicht nach Neustrelitz oder Halberstadt umziehen. Seit der Geburt meines Sohnes hat sich in den Wertigkeiten meines Lebens viel verändert. Es ist ja klar, dass mit dem Fußball irgendwann Schluss ist und man sich beruflich neu orientieren muss. Bei mir war das nun mit 28 Jahren der Fall.

Und wie sieht es mit der beruflichen Entwicklung aus?

Ich froh, dass mir die Großenhainer eine Arbeit verschafft haben und ich in einer tollen Truppe weiter Fußball spielen kann. Natürlich kam mir entgegen, dass ich beispielsweise Alex Gleis und Sebastian Miltzow gut kenne. Da weiß man, was die Jungs dir sagen, meinen sie auch so.

Sie wollten im Herbst eine Ausbildung zum Erzieher beginnen. Hat das funktioniert?

Ich wusste, dass ich nur ein Nachrücker war. Es ist aber niemand abgesprungen, sodass ich mich bis zum nächsten Schuljahr gedulden muss. Bis dahin arbeite ich weiter als Fahrer bei einem Lieferservice.

Kommen wir zum sportlichen Teil. Großenhain rangiert wie erwartet im oberen Tabellendrittel, aber der Rückstand auf Spitzenreiter Sebnitz beträgt zwölf Punkte. Hatten Sie mehr erwartet?

Ja, sicher. Aber man muss an dieser Stelle wirklich anmerken, dass wir große Verletzungssorgen hatten. Zeitweise hatten wir Mühe, überhaupt elf Spieler an den Start zu bringen. Ich selbst bin auch einige Wochen ausgefallen, später fehlten Sebastian Miltzow oder Paul Konrad Witschel lange Zeit. Wir konnten die vielen Ausfälle nicht immer kompensieren, wobei wir in den Spielen gegen die Spitzenteams spielerisch sicher nicht schlechter waren.

Haben Sie den Aufstieg abgehakt?

Nein. Ich weiß im Moment nicht, ob wir in der Winterpause noch Neuzugänge bekommen. Kehren aber unsere Langzeitverletzten zurück, können wir oben vielleicht noch mal angreifen. Wir sollten es auf alle Fälle versuchen, denn es sind ja schließlich noch 39 Punkte zu vergeben.

Hand aufs Herz, haben Sie den Wechsel schon einmal bereut?

Nach Großenhain? Nein! Natürlich war es für mich eine Umstellung, drei Ligen nach unten zu gehen. Da braucht man ein paar Wochen zur Anpassung. Aber es macht Spaß, die Truppe ist toll, und ich weiß, was von mir erwartet wird.

Vom Profikicker zum Freizeitfußballer, wie reagiert da der Körper?

Es gibt sicher Spieler, die da Probleme bekommen. Aber in Großenhain kann ich dreimal pro Woche trainieren, und die Übungseinheiten bei Andreas Jachmann sind qualitativ wirklich gut. Außerdem betätige ich mich auch anderweitig sportlich. Ich kann nicht lange zu Hause herumsitzen. Und Lio muss auch regelmäßig an die frische Luft, da sind wir mit dem kleinen Mann viel unterwegs. Für mich war die Umstellung in diesem Bereich wirklich problemlos.

Schauen Sie noch nach den Ergebnissen von Budissa Bautzen, oder ist dieses Kapitel abgeschlossen?

Natürlich, aber auch nach anderen Resultaten, beispielsweise in der dritten Liga. Ich war selbst mal bei Erzgebirge Aue, daher informiere ich mich regelmäßig, wie die Veilchen gespielt haben. In Bautzen habe ich mir in dieser Saison schon zwei Spiele angeschaut. Ich habe fünf Jahre für Budissa gespielt, da kennt man viele Leute und hat auch noch Freunde in der Spreestadt.

Sie haben bisher acht Tore für Großenhain geschossen. Wie viele Treffer kommen noch hinzu?

Keine Ahnung, aber es sollen schon noch einige werden. Ich hoffe, dass ich ohne Verletzung durch die Rückrunde komme und meiner Mannschaft in allen 13 Spielen helfen kann.


Bildunterschrift 1: Schnell, beweglich und technisch versiert: Sylvio Schwitzky (gelbes Trikot) will in der Rückrunde seine Erfahrung und sein Können einbringen, um mit dem Großenhainer FV die Spitzengruppe zu attackieren. Bisher erzielte er acht Tore. © Christian Kluge

Bildunterschrift 2: Sylvio Schwitzky (rechts) war auch in Bautzen beliebt und immer für einen Scherz, wie hier mit Martin Kolan (Mitte) und Stefan Höer, zu haben.© Torsten Zettl
27.03.2016 13:34 Uhr
Quellen
SZ-Online, 22.01.2016: http://www.sz-online.de/nachrichten/ich-wollte-nicht-nach-neustrelitz-oder-halberstadt-3303457.html