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Ein Piks für Kenny und Ricky
Hiesige Sportvereine starten am Wochenende Hilfsaktionen für die erkrankten Zwillinge von Pesterwitz.

Von Maik Brückner und Jörg Richter


Elbland. Ein kurzer Piks. Und schon läuft das Blut aus der Vene. „Wir brauchen nur fünf Milliliter“, sagt Susann Eling. Sie ist Hebamme und darf auch Blut abnehmen. Und das tut sie an diesem Tag freiwillig. Und gern. So wie 27 Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen, die der Sportverein Pesterwitz für eine Typisierungsaktion in der heimischen Sporthalle mobilisieren konnte. Sie alle wollen Ricky und Kenny helfen.

Die beiden Siebenjährigen, die auch in Pesterwitz leben und wie Susann Eling im dortigen Sportverein trainieren, leiden an der tödlichen Krankheit Adrenoleukodystrophie (ALD). Diese lebensbedrohliche Stoffwechselerkrankung bewirkt den Verlust des Kurz- und Langzeitgedächtnisses sowie motorische Störungen. Helfen kann eine Stammzelltransplantation. Doch dazu muss ein Spender gefunden werden, dessen Gene denen der Zwillinge sehr ähnlich sind. Und das hat der SV Pesterwitz vor gut zwei Wochen mit der Deutschen Knochenmark Spenderdatei (DKMS) versucht. Und das mit Erfolg. Mehr als 3700 Frauen und Männer ließen sich registrieren. Und auch das Spendenkonto hat sich gefüllt. Exakt 15 297,69 Euro gingen bei der DKMS ein.

Radebeuler sammeln Speichel

Das Schicksal der beiden Pesterwitzer Jungen lässt auch Sportvereine aus dem Landkreis Meißen nicht unberührt. So haben zum Beispiel der Großenhainer FV und zwei Radebeuler Vereine Hilfsaktionen für dieses Wochenende angekündigt.

Der Radebeuler Handballverein hat für den Heimspieltag am Sonnabend die DKMS in die Lößnitzsporthalle eingeladen. Sportler und Zuschauer haben hier ab 12 Uhr die Möglichkeit, sich registrieren zu lassen. Damit erhöhen sich nicht nur für die beiden Jungen die Chance, einen geeigneten Spender zu finden, sondern auch für tausende anderer Menschen.

„Die Registrierung geht schnell, lediglich ein Speichelabstrich wird genommen und ist damit völlig schmerzlos“, sagt Kai Niese, der Pressesprecher der Suburbian Foxes Radebeul. Die American Footballer aus der Karl-May-Stadt unterstützen die Aktion der Handballer, in dem sie zusätzlich für alle, die sich registrieren lassen, eine Verlosung durchführen. Zu gewinnen gibt es Jahreskarten für die Foxes für die Saison 2016 oder eine kostenlose Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio.

Jeder kann helfen

„Insbesondere die Geschehnisse der jüngsten Zeit sollten jedem ins Bewusstsein rufen, dass jedes Leben kostbar ist“, so Niese. „Jeder kann einen Beitrag leisten, eine Registrierung bei der DKMS ist wohl der einfachste und unkomplizierteste Weg anderen Menschen vielleicht sogar das Leben zu retten.“ Niese dankt dem Radebeuler HV, „dass er diese großartige Aktion ins Leben gerufen hat. Wir sind sehr glücklich darüber, einen unterstützenden Beitrag leisten zu können.“ Der Erlös und die Spenden des Handball-Spieltages kommen Ricky und Kenny zu Gute.

Auch die Fußballer des Großenhainer FV wollen am Wochenende alles tun, damit den beiden Pesterwitzer Zwillingen geholfen werden kann. „Vor zwei Wochen konnten wir leider nicht dabei sein“, sagt Andreas Vogel, der Präsident des Großenhainer FV. Aber am Sonnabend spielt die erste Mannschaft des GFV beim Pesterwitzer Nachbarverein Stahl Freital. Dort wollen die Röderstädter unter Spielern und Fans ebenfalls eine Bluttypisierungsaktion starten, um vielleicht einen geeigneten Knochenmarkspender für Kenny zu finden. Während bei Ricky die ALD schon ausgebrochen ist, hat Kenny noch die Chance, durch eine passende Knochenmarkspende von dieser heimtückischen Krankheit verschont zu bleiben.

Großenhain mit trauriger Erfahrung

„Die Chancen, einen passenden Spender zu finden, sind zwar gering“, sagt Vogel. „Aber wenn man es nicht wenigstens versucht, hat man schon verloren.“ Die Großenhainer kennen dieses traurige Gefühl. Vor ein paar Jahren war ein Junge aus ihrem Verein an Krebs gestorben.

Bleibt zu hoffen, dass die Aktionen in Radebeul und Freital ähnlich viele Menschen bewegt. Vor zwei Wochen in Pesterwitz war es so. „Der Andrang war enorm“, sagt Helferin Katrin Fischer. „Die Leute kamen nicht nur aus Dresden, Freital und Pesterwitz. Bei mir waren auch Leute aus Pretzschendorf, Klingenberg, Weinböhla und Nossen.“


Bildunterschrift: Susann Eling war in Pesterwitz eine von 28 Helferinnen, die Spendern wie Enrico Gogol Blutproben abnahmen. In Radebeul werden Speichelproben gesucht. © Karl-Ludwig Oberthür
26.10.2015 00:05 Uhr
Quellen
SZ-Online, 26.11.2015: http://www.sz-online.de/nachrichten/ein-piks-fuer-kenny-und-ricky-3259561.html