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Es geht um die Wurst

Vorab möchte auch der Verein nochmals ein großes Dankeschön an alle ehrenamtlichen Sicherheitsleute, Kassierer, "Verkäufer" und Organisatoren des zurückligenden "Stahl-Spiels" richten - ohne euch wäre das in der Form nicht möglich.

[Es folgt nun der SZ-Artikel als Zitat]

 

Während die meisten Leute im GFV-Stadion Fußball gucken, schwitzen freiwillige Helfer des Vereins am Grillstand.
Von Jörg Richter

 

Großenhain. Herrlicher Sonnenschein auf der Jahnkampfbahn. Das Areal des Großenhainer Fußballvereins füllt sich immer mehr. Denn zum ersten Heimspiel in der Landesliga wollen viele Fans dabei sein. Nicht nur Großenhainer. Auch zahlreiche Anhänger der BSG Stahl Riesa sind erschienen. Denn es ist Derbyzeit. Die Kicker aus der Röderstadt sind gut vorbereitet. Während sie sich auf dem Rasen warm machen, geht es abseits an den Grillständen schon heiß her.

Auch am Imbisszelt unter der alten Eiche an der Stadioneinfahrt. Das ist für die meisten hungrigen Zuschauer der erste Anlaufpunkt. Schnell bildet sich eine Schlange und reißt nicht ab. Die ehrenamtlichen Helfer des GFV, die sich hier um Essen und Trinken kümmern, haben gut zu tun. Ein Bier nach dem anderen wird verkauft, aber auch viele Bratwürste und Steaks. Bei Temperaturen um die 25 Grad Celsius herrscht bestes Grillwetter. Der Mann am hiesigen Grill heißt Michael Fritzsche. Der 53-Jährige ist erst zum dritten Mal dabei. Er und viele andere freiwillige Helfer springen ein, wenn der GFV besonders viele Fußballfans erwartet. „Ich habe schon bei den beiden Dynamo-Spielen letztes und dieses Jahr gegrillt“, erzählt er und fügt grinsend hinzu, „und keine einzige Minute Fußball gesehen.“ Das sei schlicht unmöglich gewesen, denn die vielen Zuschauer versperrten ihm und den anderen vom Grillstand schlichtweg den Blick auf das Spielfeld.

Auch diesmal sieht er nicht viel. Er hat keine Zeit dazu. Selbst eine Viertelstunde nach dem Anpfiff wollen noch einige Fans was zu essen. Fritzsche verpasst auch das 1:0 für Großenhain. Es fällt auf der anderen Seite des Spielfeldes. Mehrere Hundert Menschen stehen zwischen ihm und dem Riesaer Tor, vor dem sich die GFV-Kicker jubelnd in die Arme fallen. Silvio Schwitzky hat die Röderstädter in Führung gebracht. So verkündet es zumindest der Stadionsprecher. Die Reaktion der einheimischen Fans verrät, dass es ein sehr schönes Tor gewesen sein muss. Irgendjemand erzählt etwas von einem herrlichen Volleyschuss. Michael Fritzsche kriegt von alledem wenig mit. Er muss sich um Nachschub kümmern und legt neue Bratwürste auf den Grill.

Am Zapfhahn steht Marcus Müller. Er ist hier der Chef. Zusammen mit Stephan Thiele betreibt er das Sportcasino. Gemeinsam sind sie für die Verpflegung bei den Heimspielen des GFV verantwortlich. In der vergangenen Saison kamen durchschnittlich rund 130 Zuschauer zu den Auftritten der Jachmann-Elf. „Da reichen meist drei Leute am Grill aus“, sagt Müller. Diesmal sind es insgesamt zwölf ehrenamtliche Helfer an drei Imbissständen. Die meisten davon sind Mitglieder des GFV, die ihre Arbeitsstunden ableisten. Jährlich fünf Stunden Einsatz für den Verein sind Pflicht. „Dabei ist Bier ausschenken sicherlich angenehmer als Unkraut zupfen“, sagt Müller lächelnd. Vor allen an einem sonnigen Tag wie diesen. Und vor so einer Kulisse.

749 Fußballfans wollen sich an diesem Sonnabend das Derby zwischen Aufsteiger Großenhain und Stahl Riesa ansehen. Für ein Spiel in der Landesliga ist das schon enorm. Aber als Zweitligist Dynamo Dresden im Juni sein Testspiel gegen Viktoria Berlin auf die hiesige Jahnkampfbahn verlegte, strömten etwa doppelt so viele Anhänger der Schwarzgelben hierher. Beim Dynamo-Testspiel vor einem Jahr gegen die U23 von Hertha Berlin waren es sogar noch mehr. Knapp 3 000 Zuschauer wurden damals gezählt. „Im Vergleich dazu geht es heute ziemlich entspannt ab“, sagt Fritzsche grinsend und dreht ein Dutzend Bratwürste um. Die Erinnerungen an das letzte „Heimspiel“ der Dynamos sind bei ihm noch sehr lebendig. „Da kamen viele Zuschauer erst auf den letzten Drücker“, erzählt der gelernte Klempner, der als Grillmeister natürlich einen Hygienepass besitzt. Vor dem Spiel hatte es zwei Stunden geregnet. Ganz in der Nähe des Stadions schlug ein Blitz ein. Es gab einen lauten Knall, der viele erschrak. Später stellte sich raus, dass der Blitz einen großen Autodrehkran getroffen hatte, der auf der benachbarten Bahnbaustelle eingesetzt wurde. Das Spiel wurde später angepfiffen, auch weil noch viele Fans draußen vorm Stadion standen. Fritzsche erzählt: „Viele von ihnen holten sich nach dem Einlass erst mal eine Wurst. Da war richtig was los.“

1 400 Bratwürste wurden beim Dynamo-Besuch verzehrt. „Heute rechnen wir mit 500“, so Müller. In den nächsten Wochen werden es wohl wieder weniger werden. Denn die Riesaer haben in der Landesliga die meisten Fans. Deshalb ist es eine glückliche Fügung, dass der Punktspielplan die BSG-Elf als ersten Heimspielgegner bescherte. Und auch wenn die Großenhainer Fußballer am Ende mit 2:3 verlieren, die Landesliga-Premiere auf der Jahnkampf war eine gelungene Sache, für die der Verein viel Lob erhielt. Auch dank der vielen engagierten Mitglieder neben dem Rasen.

21.08.2017 08:10 Uhr
Quellen
SZ-Online, 21.08.2017: http://www.sz-online.de/nachrichten/es-geht-um-die-wurst-3754137.html