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Ich bin selbst ein bisschen neugierig

Andreas Jachmann ist als Trainer ein alter Hase. Doch die Landesliga mit dem Großenhainer FV ist auch für ihn absolutes Neuland.
Von Thomas Riemer

Sonnengebräunt, prall gefüllte Tasche, kurze Hose und Shirt – Andreas Jachmann scheint noch im Urlaubs-Sommer-Modus zu sein. Der Schein trügt: Wie so oft ist Jachmann lediglich lange vor seinen Spielern zum Training auf der Großenhainer Jahnkampfbahn angekommen. Aber der 56-Jährige gesteht, dass er in den letzten Wochen auch mal „vom Fußball abgeschaltet“ hat. Denn auf ihn und seine Mannschaft, die Männer des Großenhainer FV, hatte die Erfolgswelle kräftig eingeschlagen. „Es war ja eine lange Zeit, in der wir den Aufstieg genießen konnten – immerhin stand das schon vier Spieltage vor Schluss fest“, so Jachmann. Danach viele Gratulationstouren, die große Aufstiegsparty mit den Fans. Andreas Jachmann war daher wahrscheinlich nicht allzu böse, dass es gleich nach dem letzten Punktspiel für ihn in den Urlaub ging.

„Es war eine schöne Zeit. Aber sie ist vorbei“, sagt er. Längst geht sein Blick auf das „Abenteuer Landesliga“. „Die Verhältnisse sind jetzt andere“, sagt Jachmann. „Wir stehen mehr im Blickpunkt. Viele erwarten etwas von uns“. Denn der GFV hat in der vergangenen Saison Maßstäbe gesetzt. Ungeschlagen beendete er die Landesklasse-Spielzeit. „Wir sind nicht immer voll gefordert worden“, sagt der erfahrene Coach. Das dürfte sich ab kommendem Wochenende, wenn die Landesliga losgeht, ändern. Denn seine Spieler seien nach dem Siegeszug der letzten Monate gar nicht mehr gewohnt, wie sich eine Niederlage anfühlt. „Vom Charakter der Spieler her muss sich jetzt zeigen, was in der Mannschaft steckt“, glaubt Jachmann. Und er ergänzt sofort: „Da traue ich uns Einiges zu.“

Im Gegensatz zu den Personalrochaden in den meisten anderen Mannschaften kann er dabei schon vorab auf einen vermeintlichen Vorteil bauen: Die Aufstiegshelden sind dem Verein komplett treu geblieben. Mit Clemens Krüger (SG Motor Wilsdruff), Eric Bachmann (Bischofswerdaer FV 08) und Peer Schulze (eigener Nachwuchs) hat sich das Team leicht verstärkt, nicht nur zahlenmäßig. „Wenn alle gesund sind, haben wir einen breiten und gut aufgestellten Kader“, befindet Andreas Jachmann. „Und den werden wir auch brauchen.“ Innerhalb der Mannschaft eine Art „Konkurrenzkampf“ um die Stammplätze zu eröffnen, ist dabei das Eine. Zum Anderen – so die Erfahrungen – muss man auch stets mit Verletzungen oder anderweitigen Ausfällen rechnen. Den Großenhainer FV hat es dabei gleich zum Saisonauftakt am Sonntag beim Reichenbacher FC ziemlich dicke erwischt. Gleich „ohne Fünf“ reist der Landesligist ins Vogtland. Torsten Marx, Paul Konrad Witschel und Nick Volkmann laborieren an Verletzungen, Martin Brunzel und Kevin Jähnig sind noch im Urlaub.

Die Aufstiegsplanungen in Großenhain begannen frühzeitig. Schon im Winter habe man für den Fall der Fälle mit allen Akteuren persönliche Gespräche geführt, erzählt Andreas Jachmann. Alle haben damals ihre Zusage gegeben – und sich damit auch dafür entschieden, professionell mit dem Abenteuer Landesliga umzugehen, „auch im persönlichen Leben“, so Andreas Jachmann. „Dieser mentale Teil ist momentan fast schwieriger als die fußballerischen Fähigkeiten abzufragen.“ Dazu gehören Trainingseinstellung und -beteiligung, aber auch das Kompensieren von Trainingsdefiziten, die berufsbedingt nicht auszuschließen sind. Das habe in der Vergangenheit aber gut funktioniert. „Wir waren letzte Saison in unserer Staffel die körperlich stärkste Mannschaft“, sieht sich der Trainer bestätigt. Mit Alexander Gleis und Christopher Kührt habe er zudem zwei erfahrene Trainerassistenten. Und es seien insbesondere die älteren, erfahrenen Spieler, die den Jüngeren jede Menge Motivation dank ihrer Vorbildrolle geben.

Andreas Jachmann ist auf der Großenhainer Trainerbank ein „alter Hase“. 1990 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des damals aus Fortschritt und Landtechnik vereinten GFV 90 und war der erste Trainer. „Das erste Spiel haben wir damals 1:5 gegen Staucha/Hof verloren“, erinnert er sich schmunzelnd. Insgesamt vier Mal rückte er auf den GFV-Trainerstuhl, unterbrochen jeweils durch kurze Pausen. Er hat Highlights wie das legendäre Aufstiegsspiel gegen Ralbitz/Horka als Coach erlebt. aber auch die schlimmsten Momente des Vereins, als er bis in die Kreisliga durchgereicht wurde.

Jetzt ist Andreas Jachmann mit seiner Mannschaft also „oben“. „Ich bin selbst ein bisschen neugierig“, sagt er und verhehlt nicht, dass er sich auf neue Stadien, prominente Trainerkonkurrenz und neue Gegner freut. Ins erste Spiel geht der GFV mit dem Rückenwind des ungefährdeten 4:1-Pokalsieges beim starken Hainsberger SV.

Und das Saisonziel? „Ich wäre über einen einstelligen Tabellenplatz froh“, sagt Andreas Jachmann. Einen Platz im oberen Drittel traut er seinen Jungs zu. Das Wichtigste aber: „Wir wollen den Zuschauern ordentlichen Fußball bieten und damit möglichst viele Fans auf die Jahnkampfbahn locken.

Letzteres wird wohl schon am 2. Spieltag passieren. Dann kommt es zum Derby des Großenhainer FV und der BSG Stahl Riesa. Ein Spiel, dem natürlich auch Andreas Jachmann bereits entgegen fiebert.

10.08.2017 08:01 Uhr
Quellen
SZ-Online, 10.8.2017: http://www.sz-online.de/nachrichten/ich-bin-selbst-ein-bisschen-neugierig-3745933.html