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SZ: "Ein Käfig für die Jahnkampfbahn?"

Nach den Vorkommnissen beim Fußballspiel gegen Olbernhau
stellen sich wieder einmal grundsätzliche Fragen.

Von Thomas Riemer (SZ)

Großenhain. Zaungäste rieben sich verwundert die Augen. „So was hat es ja hier noch nie gegeben.“ Wenige Minuten vor Ende der Fußball-Landesliga-Partie des Großenhainer FV gegen den SV Olbernhau vor knapp drei Wochen brachen Tumulte am Rande des Rasens auf der Jahnkampfbahn aus. Ausgetickte alkoholisierte „Fans“ der Gäste fühlten sich provoziert, griffen Ordner und Zuschauer des Gastgebervereins an. Nur mit Mühe und dank der Spieler beider Mannschaften konnte eine „richtige“ Schlägerei verhindert werden. Schon vorher hatten die Olbernhauer blau-weiße Rauchbomben gezündet.

Nun liegt der Fall beim Sportgericht. Beide beteiligte Vereine haben ihre Stellungnahmen eingereicht. Rechtsanwalt Ralf Braune hat die Haltung des GFV formuliert. Beim Verein gehört er zum erweiterten Vorstand, ist obendrein Sicherheits- und Ordnungsdienstbeauftragter. „Wir waren an dem Tag mit acht Ordnern im Einsatz, haben damit die Soll-Vorgaben des Sächsischen Fußballverbandes erfüllt“, sagt er. Im Vorfeld sei zwar bekannt gewesen, dass die Gäste-Fans mit einem Sonderbus anreisen. Doch die SVO-Vereinsführung habe versichert: Das sind alles vernünftige Leute.

„Darauf haben wir uns verlassen“, so Braune. Deshalb wurden den Olbernhauern zwar am Eingang Glasflaschen abgenommen, jedoch keine Tiefenkontrollen vorgenommen. Danach wurden die johlenden Blau-Weißen in den auf der Jahnkampfbahn vertrauten Gästeblock geleitet. Ein Bereich, der räumlich ein wenig abgetrennt, jedoch nicht abgesperrt ist.

Dass die Lage nach einer zunächst unübersichtlichen Situation eskalierte – dafür hat auch Ralf Braune keine Erklärung. „Wir befinden uns hier in der 6. Liga. Da kann man doch nicht für jedes Spiel ein riesiges Sicherheitskonzept erstellen“, sagt der Anwalt. In Großenhain habe es so etwas höchstens mal bei Spielen von Dynamo Dresden oder aber den Derbys gegen Stahl Riesa gegeben. Letztlich würden derartige Aufwendungen den Verein jede Menge Geld kosten.

Doch wie sind Tumulte wie am 10. November auf der Jahnkampfbahn zu verhindern? Ein generelles Alkoholverbot lehnt Ralf Braune ab. Fußball auf der Ebene der 6. Liga sei für viele Leute eine Art Begegnungsstätte, wo man eben auch mal ein Bier trinkt. Fiele das weg, würden möglicherweise auch einige Besucher wegbleiben. Zum anderen werde der Ausschank oftmals durch die gastgebenden Vereine organisiert – was auch der Vereinskasse zugutekommt. „Das sind wichtige Gelder zur Vereinsfinanzierung“, sagt Ralf Braune.

Eine größere räumliche Trennung der Fanlager, vielleicht sogar ein „Gäste-Käfig“, wäre vielleicht eine Variante. „Aber auch das müsste bezahlt werden“, gibt Ralf Braune zu bedenken. Denn für diesen Fall müsste man extra Toiletten installieren, einen gesonderten Eingang zum Stadion sowie einen zweiten Cateringstand vorhalten. Wahrscheinlich auch mehr Ordnungspersonal oder gar eine Security-Firma. Für Ralf Braune ein Unding. „Man muss die Kirche im Dorf lassen. Hier geht es um die 6. Liga. Alle, die beteiligt sind, machen das im Ehrenamt“, sagt er.

Dem noch laufenden Verfahren beim Sportgericht sieht man beim GFV nun mit Spannung entgegen. Von der Vereinsführung des SV Olbernhau ist schon kurz nach dem Eklat eine Entschuldigung gekommen. Anhand von Fotos und Videoaufnahmen sind mindestens vier „Rädelsführer“ ausgemacht, bei deren Ermittlung auch der SVO helfen will. Der SFV hat das Material noch nicht abgefordert.

Inzwischen sind drei Wochen ins Land gegangen. Ein Urteil des Sportgerichtes lag auch am Freitag noch nicht vor, bestätigt Ralf Braune auf Nachfrage. Üblich seien eigentlich zwei Wochen. Warum sich das Gericht so viel Zeit lässt, kann auch der Großenhainer Anwalt nicht erklären. Am heutigen Sonnabend steht Braune wieder mit seinen Ordnern am Rand des Rasens der Jahnkampfbahn. Mit wachen Augen und Ohren – und vermutlich vielen Beobachtern im Nacken.

Quelle: SZ-Online, 30.11.2018, https://www.xn--schsische-v2a.de/ein-kaefig-fuer-die-jahnkampfbahn-5006067.html

 

 

Eine Käfig-Pflicht im Stadion gibt es nicht
Riesa hat einen Käfig, andere Vereine trennen Fans mehr oder weniger mit Zäunen.

Für sogenannte Sicherheits- oder Risikospiele gibt es in der Riesaer Stahlarena bereits seit 2008 einen „Käfig“ für Gäste-Fans. Anlass war seinerzeit das Bezirkspokal-Halbfinale des damaligen TSV Stahl Riesa gegen die dritte Mannschaft von Dynamo Dresden. 8 000 Euro steuerte die Stadt Riesa zu, gebaut wurde der Sicherheitstrakt letztlich vom Verein selbst. Genutzt indes wird er bis heute eher selten. In Erinnerung ist noch ein Landesliga-Spiel im April 2016 gegen Chemie Leipzig. Da brachten die Gäste aus Leutzsch 700 eigene Fans mit.

Deutlich abgetrennte Gästebereiche, jedoch keine „Käfige“, gibt es in mehreren Stadien. So in Bautzen, in Neugersdorf, Grimma, Luckenwalde, Gera, Plauen, Markranstädt, Hoyerswerda. Regionalliga-Aufsteiger Bischofswerda baute erst im Sommer Extra-Zäune, um eine deutliche Trennung vorzunehmen.

Eine „Käfig-Pflicht“ besteht laut den „Sicherheitsrichtlinien zur Gewährleistung der Sicherheit im Spielbetrieb des Sächsischen Fußball-Verbandes“ nicht. Dort heißt es lediglich: Die Zuschauerblöcke für die Fans der beiden Mannschaften müssen möglichst weit voneinander entfernt angeordnet sein. (rt)

Quelle: SZ-Online, 30.11.2018, https://www.xn--schsische-v2a.de/eine-kaefig-pflicht-im-stadion-gibt-es-nicht-5006076.html

geschrieben von: Paul Köhler
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