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Während des gestrigen Auswärtsspiels (12.11.) in Leipzig ereilte uns die traurige Nachricht, dass der über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Vereinsanhänger, ehemaliger Spieler & Übungsleiter sowie Stimmungsmacher, Spaßgarant & Fanbetreuer

— Sportfreund Karsten „Heppe“ Hoffmann —

verstorben sei. Dies müssen wir nun leider offiziell bestätigen. Ruhe in Frieden, Heppe, und Danke für alles!

Der Vorstand, die Geschäftsführung, die Angestellten, alle Mitglieder und sämtliche ehrenamtlichen Mitstreiter wünschen den Angehörigen viel Kraft in dieser schweren Zeit und versichern ihre aufrichtige Anteilnahme.

 

 

Wir nehmen Abschied von einem wahrhaftig treuen Großenhainer Original
Persönliche Worte von Paul Köhler

Karsten „Heppe“ Hoffmann, mit nur 53 Jahren auf alle Zeit von uns gegangen, wird dem Verein definitiv fehlen – sowohl unterstützend als auch mit seiner Allgegenwärtigkeit auf den hiesigen Plätzen. Trotz seiner Vorgeschichte, in der er mit ehemaligen Vereinsanhängern und Führungspersonen wegen unterschiedlichen Meinungen und privaten Vorkommnissen in etlichen Disputen aneinandergeraten war, ließ er die Vergangenheit weitestgehend ruhen und opferte vor allem in den letzten Jahren vorbildlich all das für den Verein, was er auf Grund seiner bescheidenen Verhältnisse sowohl materialistisch als auch persönlich geben konnte. Er besuchte quasi alle Spiele der Ersten Mannschaft, die meisten Heimspiele der Zweiten und Dritten, und auch beim Nachwuchs war er eine feste unterstützende Größe. Vor allem die Auswärtsfahrten der Ersten Mannschaft in ganz Sachsen hatten trotz der vergleichsweise geringen Anzahl von mitgereisten Fans einen legendären Charakter. Wir — wir Fans vom Großenhainer Fußballverein 1990 e.V. — hatten im Kollektiv fortwährend Spaß und es gab (abgesehen von der Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn) nie ernsthafte Probleme. Wir Großenhainer Fans machten mit ihm als Spaßgarant & Mitorganisator immer Stimmung und wurden überwiegend positiv von Außenstehenden bestaunt. Ja, es war weitestgehend sehr laut in der Öffentlichkeit wenn wir durch die Städte zogen, doch es blieb stets korrekt und gesetzeskonform. Denn, was viele nicht wissen: Er (Heppe) setzte sich in der Gruppe, speziell den Jüngeren gegenüber, stets und nachdrücklich erfolgreich dafür ein, dass es gewaltlos, nach außen hin korrekt und pyrotechnik-frei blieb. Auch trug er maßgeblich zum freundschaftlichen und vorbildlichen Auftreten des Großenhainer Fanclubs in der Öffentlichkeit in ganz Sachsen bei. Dies führte dazu, dass man uns überall mochte, akzeptierte und trotz der kleinen Größe dennoch respektierte. Sei es in den Zügen der Deutschen Bahn, in den traditionellen Frühstückslokalen bei Auswärtsfahrten „Marché“ und „Korch Fleischwaren“ am Dresdner Hauptbahnhof sowie in den gegnerischen Sportlerheimen. Durch sein Agieren genossen wir beispielsweise Nachsicht bei versehentlich nicht korrekt gelösten Zugtickets, bei Frühstücksbestellungen nach eigentlichem Annahmeschluss und bei „Spezialbestellungen“ in Gaststätten und in Stadien. Vor allem Heppe war es, der durch seine Gespräche und sein Auftreten den Leuten positiv im Gedächtnis blieb. Und das kam schlussendlich allen Fans sowie gesamtheitlich gesehen auch dem Verein zu gute.

Für den Verein verteilte er aller vierzehn Tage an dreißig verschiedenen Großenhainer Anlaufstellen die großformatigen Spielankündigungsplakate. Eine äußerst wichtige Aufgabe, zu der anderen Ehrenamtlern schlicht die Zeit fehlte. Neben dieser Tätigkeit trug er zudem maßgeblich durch Mundpropaganda dazu bei, dass Vereinsinformationen nach außen getragen wurden und mit Gerüchten aufgeräumt wurde, die der innerstädtische Buschfunk sowie die lokalen Medien säten. Er stellte vieles klar und trug auch die Vereinswerte nach außen. Er war zudem Hauptansprechpartner für diejenigen ältere Vereinssympathisanten, die sich neben dem Lesen der Zeitung nur durch mündliche Überlieferungen informieren konnten. Er hatte über die Jahre ein regelrechtes Netzwerk aufgebaut, welches in der Praxis einfach funktionierte.

Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die traditionellen „Grill-Donnerstage“. Während und nach dem Training der Ersten und Zweiten sorgte er in den warmen Jahreszeiten für die Verpflegung für Fans und die Mannschaften. Jeder mochte die Speisen und Getränke lokaler Geschäfte, die Karsten Woche für Woche organisierte und sich um deren Finanzierung kümmerte. Jeder honorierte diese Tradition mit Dankbarkeit, die er sehr genoss. In geselliger Runde traf man sich an jenen Donnerstagen auf der hiesigen Jahnkampfbahn und schmiedete Pläne für künftige Aktivitäten und Auswärtsfahrten, diskutierte vereinsinterne Gegebenheiten und fachsimpelte mit Vorstand, Fans und Mannschaften gleichermaßen. Neue Spieler in den Mannschaften lernten ihn schnell kennen und irgendwie auch lieben. Jeder im Verein wusste wer er war… Was waren das für tolle Donnerstage, die künftig leider einen wesentlichen Bestandteil verloren haben.

Auch bei den Arbeitseinsätzen für den Verein war Karsten stets an erster Stelle und somit Vorreiter. Er machte trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen teils mehr als einige gesunde Vereinsmitglieder. Auch scheinbar undankbare Arbeiten wie Unkrautjäten, Laubfegen und Unrat aufsammeln waren ihm nie zuwider. Zusammen mit anderen Fans organisierte er sogar losgelöste Einsätze und trug damit maßgeblich zur Verschönerung der Sportanlagen bei.

Weiterhin kümmerte er sich um das Anfertigen von Fan-Flaggen und -Bannern, mit welchen heimische und gegnerische Stadien gleichermaßen okkupiert wurden. Überall wusste man dadurch, wo Großenhain spielt und das Großenhain in den Städten gastiert. Die große schwarz-gelbe Fanflagge trug er stets mit Stolz und Ehrfurcht gleichermaßen. Es war zu seinem Markenzeichen geworden. Diese Flagge war für ihn heilig und er ließ niemals zu, dass sie beschädigt oder entweiht wurde. Des Weiteren dichtete er Fangesänge, die vielen in Fleisch und Blut übergingen und seitdem regelmäßig in den Stadien zu hören sind.

Bereits am Sonntagabend, im Vorfeld einer Stellungnahme durch den Verein, ereilten uns eine Vielzahl von privaten Anrufen und Nachrichten, ob „es“ denn tatsächlich stimme. Die Nachricht vom Ableben verbreitete sich über die Großenhainer Stadtgrenzen hinaus wie ein Lauffeuer. Unsere, vom GFV veröffentlichte Mitteilung am Montagvormittag, die das Ableben offiziell bestätigte, wurde mit überwältigender Resonanz aufgenommen. Beileidsbekundungen kamen über die Sozialen Netzwerke auch aus Riesa, Zabeltitz, Herzberg, Sebnitz, Wesenitztal, Coswig und umliegenden Dörfern. Dieses Verhalten ist trotz vergangener Schlachten auf den Spielfeldern sehr ehrenwert und berührt mich sowie uns alle sehr. Der Nutzer Marco Rothe formuliert es beispielweise passend mit den Worten „In den Farben getrennt in der Sache vereint“. Denn trotz der stets kritischen Äußerungen Karsten‘s auf den Plätzen und der bei jeder Gelegenheit dargelegten Pro-GFV-Einstellung kannte und mochte man ihn – ihn, ein wahrhaftiges Großenhainer Original.

 

Karsten, wir danken Dir für Alles was du für uns und den ganzen Verein bewegt hast. Wir werden bei jeder Gelegenheit, vor allem jedoch bei den Auswärtsfahrten, an Dich denken und Dich in guter Erinnerung behalten. Karsten, wir werden Dich als wesentlicher Bestandteil der Fans und des Vereins sehr vermissen. Karsten, Ruhe in Frieden.

 

Großenhain, den 14. November 2017

Stellvertretend für alle treuen Fans,
Paul Köhler

geschrieben von: Paul Köhler
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